• english
  • deutsch

Vitamin B12-Mangel

Ungenügende Aufnahme oder gestörte Absorption von Vitamin B12 führen zur Entwicklung eines Mangels an diesem Vitamin. Entsprechend den Richtlinien vom National Research Council of the US National Academy of Sciences beträgt die empfohlene tägliche Aufnahme (RDI) 2,4 μg B12 für Erwachsene, schwangere Frauen sollen täglich bis zu 6 μg B12 aufnehmen (1). Für die Kalkulation des Bedarfs wurde die Menge B12 zugrunde gelegt, die notwendig ist, um einen normalen hämatologischen Status zu bewahren [normales Hämoglobin und normales zelluläres Volumen der Erythrozyten (MCV)] und eine Remission bei PA zu erreichen. Der RDI waren keine metabolischen Studien zugrunde gelegt, die die B12-Aufnahme auf den MMA-Spiegel bezogen haben. Die Plasmakonzentrationen von MMA und tHcy sinken erst bei höherer B12-Aufnahme, wobei holoTC ansteigt (2). Eine Mindestaufnahme von 6 μg B12 war mit einer optimalen Plasmakonzentration der untersuchten Biomarker assoziiert (2). Die RDI für B12 sollte daher neu betrachtet werden, da sie zu niedrig erscheint, besonders für ältere Personen.

Vitamin B12 ist wichtig für die DNA-Synthese, die Bildung und Aufrechterhaltung der Myelinscheiden, die Synthese von Neurotransmittern und die Erythropoese. Der klinische B12-Mangel hat zwei Hauptmanifestationen, hämatologische und neuropsychiatrische Erkrankungen. Symptome entwickeln sich häufig bevor der B12-Spiegel den unteren Referenzwert unterschreitet. Allerdings ist die makrozytäre Anämie für einen B12-Mangel weder spezifisch noch sensitive genug. So kann die makrozytäre Anämie durch einen gleichzeitig vorhandenen Eisenmangel maskiert werden. Der B12-Mangel kann auch einen zusätzlichen Eisenverlust durch eine sekundäre Wirkung auf die Enterozyten hervorrufen. Ein B12-Mangel entwickelt sich nach vielen Jahren der Depletion. Die Erschöpfung der B12-Speicher verursacht einen metabolisch-funktionellen Mangel (Enzymaktivitäten sind vermindert, die tHcy- und MMA-Spiegel steigen), der schließlich zur klinischen Manifestation führt.

Patienten mit Vitamin B12-Mangel entwickeln Hyperhomocysteinämie (HHCY), die ein anerkannter atherogener Risikofaktor und ein Zeichen von Hypomethylierung ist. Hypomethylierung reflektiert die verminderte Verfügbarkeit von S-Adenosylmethionin (SAM), dem universellen Methylgruppendonor. Vitamin B12-Mangel verursacht eine Hemmung der Methioninsynthese mit nachfolgender Erniedrigung der SAM-Konzentration. Funikuläre Myelose bzw. Spinalerkrankung ist eine häufige neurologische Folge eines B12-Mangels. Aufgrund der hohen Umsatzgeschwindigkeit reagiert die Blutbildung schnell und sensitive auf den blockierten Nukleinsäuremetabolismus. Es entwickelt sich eine megaloblastäre Anämie als Ergebnis der gestörten DNA-Synthese und der daraus resultierenden Reifungsstörung des Zellkerns, wobei sich das Cytoplasma normal entwickelt. Makrozytotische Erythrozyten (MCV >110 fl) und hypersegmentierte Neutrophile können im peripheren Blut beobachtet werden.

Die psychiatrischen wie neurologischen Erkrankungen und kognitiven Störungen sowie Demenz, die bei B12-Mangel beobachtet werden, können hämatologischen Anomalien um Jahre vorausgehen. Hämatologische Anomalien können allerdings auch komplett fehlen, sogar bei Patienten mit schwerem B12-Mangel.

Perniziöse Anämie

Perniziöse Anämie (PA) ist die bekannteste Erkrankung der Vitamin B12-Absorption und eine der häufigsten Erkrankungen beim älteren Menschen (bis zu 50% der Fälle). PA ist eine Autoimmunerkrankung, die auf Antikörper gegen den Intrinsic Faktor (IF) beruht. Atrophische Gastritis ist auch eine Autoimmunerkrankung, die sich letztendlich als PA manifestieren kann. Antikörper gegen Parietalzellen oder solche gegen IF gelten als Merkmale der Erkrankung. Parietalzell-Antikörper können ein Fehlen von IF verursachen, woraus dann der B12-Mangel entsteht. Ohne IF kann Vitamin B12 nicht über den Rezeptor-vermittelten Stoffwechselweg absorbiert werden. IF-Antikörper werden nur in etwa 50% der Fälle mit PA nachgewiesen, während Antikörper, die gegen die H+/K+- Adenosintriphosphatase α- und β-Subeinheiten gerichtet sind, häufiger gefunden werden, in > 90% der Patienten mit PA, wobei aber ihre Spezifität deutlich geringer ist (50%) (3). In einer Studie an Patienten mit atrophischer Gastritis wurden in etwa 50% der Fälle Vitamin B12-Mangel und makrozytäre Anämie nachgewiesen. IF-Antikörper fanden sich in 27% der Fälle aber Parietalzell-Antikörper waren in 81% der Fälle mit atrophischer Gastritis positiv (4).

Referenzen

1.     Institute of Medicine. Dietary Reference Intakes for Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Folate, Vitamin B12, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. USA: Washington, DC, National Academy Press, 2000:150-95.
2.     Bor MV, Lydeking-Olsen E, Moller J, Nexo E. A daily intake of approximately 6 microg vitamin B-12 appears to saturate all the vitamin B-12-related variables in Danish postmenopausal women. Am J Clin Nutr 2006;83:52-8.
3.     Toh BH, van Driel I, Gleeson PA. Pernicious anemia. N Engl J Med 1997;337:1441-8.
4.     Lahner E, Norman GL, Severi C, Encabo S, Shums Z, Vannella L et al. Reassessment of intrinsic factor and parietal cell autoantibodies in atrophic gastritis with respect to cobalamin deficiency. Am J Gastroenterol 2009;104:2071-9.