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Vitamin B12-Mangel und kardiovaskuläre Erkrankungen

Weltweit waren über 50.000 Patienten in Interventionsstudien (Sekundär-Präventionsstudien) eingeschlossen worden, um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, ob B-Vitaminsupplementation das kardiovaskuläre Risiko verbessert. Verschiedene publizierte randomisierte Studien und eine Metaanalyse berichten, dass tHcy-Absenkung mittels B-Vitaminen keinen Nutzen bezüglich Verbesserung des kardiovaskulären Risiko hat (1-3). Generell ist die klinische Aussagekraft von Sekundärpräventionsstudien begrenzt, weil alle Studienprobanden eine Basismedikation erhalten, die mit der tHcy-senkenden Wirkung von B-Vitaminen interferiert, wodurch es schwierig wird, die zusätzliche Wirkung einer tHcy-Absenkung mit B-Vitaminen bezüglich kardiovaskulärer Endpunkte darzustellen. Daher sind große Metaanalysen erforderlich, um eine genügende klinische Aussagekraft und valide Informationen zu erhalten.

Die letzte Metaanalyse von Wald et al. (4) umfasst Daten von 75 Studien mit 22.068 Patienten und 23.618 Kontrollen sowie von 14 Interventionsstudien mit tHcy-Absenkung durch B-Vitamine, die 39.597 Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen einschloss. Eine signifikante und unabhängige Assoziation zwischen der tHcy-Plasmakonzentration und dem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen ist darin bestätigt worden. Die Träger des TT-Genotyps des MTHFR-Gens hatten, verglichen mit Trägern des CC-Genotyps (Wildtyp), ein 16% höheres kardiovaskuläres Risiko, wobei die Differenz im Plasma-tHcy zwischen TT- und CC-Genotyp im Mittel bei 1,9 µmol/l. Trotz der tHcy-Verminderung um 3,3 µmol/l in der Metaanalyse der Interventionsstudien wurde keine Verminderung des kardiovaskulären Risikos gefunden. Allerdings wurde auch beobachtet, dass in den B-Vitamin-Supplementationsstudien mit niedriger Einnahme von Aspirin die tHcy-Absenkung mit einer Abnahme des kardiovaskulären Risikos um 7% assoziiert war. Dagegen wurde in Studien mit hohen täglichen Aspirin-Dosierungen keine Abnahme des kardiovaskulären Risikos beobachtet. Anhand der Daten wurde geschlussfolgert, dass B-Vitaminsupplementation vor allem in der Primärprävention, wo keine regelmäßige Aspirin Einnahme vorliegt, zu einer leichten Verringerung des kardiovaskulären Risikos beitragen kann. In der Sekundärprävention liefern B-Vitamine keine zusätzliche Wirkung bezüglich Verringerung des kardiovaskulären Risikos.

Referenzen

1.     Bonaa KH, Njolstad I, Ueland PM, Schirmer H, Tverdal A, Steigen T et al. Homocysteine lowering and cardiovascular events after acute myocardial infarction. N Engl J Med 2006;354:1578-88.
2.     Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ, Sheridan P, Pogue J, Micks M et al. Homocysteine lowering with folic acid and B vitamins in vascular disease. N Engl J Med 2006;354:1567-77.
3.     Spence JD, Stampfer MJ. Understanding the complexity of homocysteine lowering with vitamins: the potential role of subgroup analyses. JAMA 2011;306:2610-1.
4.     Wald DS, Morris JK, Wald NJ. Reconciling the evidence on serum homocysteine and ischaemic heart disease: a meta-analysis. PLoS ONE 2011;6:e16473.