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Frage: Therapieeffekt oder Fehler bei der Präanalytik?

13.11.2008

Sehr geehrter Herr Prof. Herrmann,

ich würde Ihnen gerne eine Frage zu Homocystein stellen. Einer unserer Einsender bestimmte den Homocysteinspiegel eines seiner Patienten. Bei einer moderaten Erhöhung von 14,4 µmol/L aus unzentrifugiert eingesandtem Blut empfahlen wir eine Kontrolle unter Beachtung der Präanalytik. Sofort nach Erhalt des Ergebnisses (einen Tag nach der Blutabnahme) verabreichte der Kollege seinem Patienten i.v. hochdosierte Vitamine. Der Homocysteinspiegel wurde von ihm 6 Tage später bei korrekter kontrolliert und mit 7,45 µmol/L bestimmt. Seine Frage war jetzt, ob diese Abnahme der Effekt seiner Therapie oder der Beachtung der Abnahmebedingungen ist. Nachdem ich in der Literatur dazu keine Angaben finden konnte, hoffe ich, dass Sie mir weiterhelfen können. Für Ihre Mühe möchte ich mich im Voraus schon einmal bedanken.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. …………………


Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann
:

Lieber Herr Dr. …………….,

vielen Dank für Ihre Anfrage zur Homocysteinbestimmung. Sicher ist es schwierig Ihre Frage zum Homocysteinanstieg bei Lagerung von Vollblut konkret zu beantworten, da die zelluläre Freisetzung individuell sehr unterschiedlich ist. In Untersuchungen zu Homocysteinstabilisatoren konnten wir zeigen, dass in unstabilisiertem EDTA-Blut Homocystein innerhalb von 4-6h im Mittel um etwa 15-20 % ansteigt, d.h. ein Wert von 12 µmol/L würde innerhalb 4-6 h auf 14 µmol/L ansteigen [Hübner et al., Stability of Plasma Homocysteine...., Clin.Chem 2007;53:2217-2218]. Somit wäre der von Ihnen therapeutisch erzielte Abfall des Homocysteinspiegels mehr aus der Vitaminwirkung als aus der nunmehr korrekten Präanalytik für die Homocysteinbestimmung erklärbar.

Ich hoffe Ihre Frage damit beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüssen,
Prof. Dr. W. Herrmann 


Frage: Hcy Wert 19,3µmol/L - Wie behandeln?

13.11.2008

Sehr geehrter Herr Professor Herrmann,

ich habe im Internet ihre Email-Adresse gefunden und möchte Sie im "Widerspruchsdschungel Homocystein" etwas fragen.

Bei einem Check-up plus Homocysteinbestimmung wurde bei mir ein Wert von 19,3 µmol/L gefunden. Sonst bin ich kein Risikopatient, alle anderen Werte sind OK. Ich bin männlich und 44 Jahre alt.
Welches Präparat kann ich einnehmen, um den Spiegel zu senken etc. Mein Arzt kennt sich damit nicht aus und hat gar nichts dazu gesagt. Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
…………………

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
           
Lieber Herr ……….,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die Ich gern beantworte. Ihr Homocysteinspiegel im Blutplasma ist mit 19,3 µmol/L deutlich abnormal und zeigt eine diesbezügliche Störung im Stoffwechsel an, die korrigiert werden sollte.
Der Wert sollte unter Nüchternbedingungen bestimmt und die präanalytischen Aspekte beachtet worden sein, d.h. das Blutplasma wurde unmittelbar nach Blutentnahme vom Blutkuchen durch Zentrifugation abgetrennt oder das Blut wurde bei Versendung geeignet stabilisiert. Häufig werden diese Aspekte nicht fachgerecht berücksichtigt, so dass dann die Werte falsch sind.

Wenn Ihr Wert richtig ist, kann dieser auf einen Mangel an B-Vitaminen, einen Mangel an relevanten Enzymen, auf gastrointestinale Erkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen hinweisen. Es sollte daher auch Kreatinin bestimmt werden und dies normal sein, um eine Nierenfunktionsstörung auszuschließen. Bei Vorliegen eines Vitaminmangels sollten Sie sich beim Apotheker geeignete Präparate empfehlen lassen, wobei die Präparate etwa 0,4 bis 0,8 mg Folsäure, 0,050 bis 0,500 mg Vitamin B12 und 5 bis 20 mg Vitamin B6 enthalten sollten. Hier sind genügend Präparate im Handel.

Wichtig ist aber, dass Sie nach einigen Wochen Behandlung (etwa 4 Wochen) Homocystein erneut kontrollieren lassen. Ist der Spiegel unter 12 µmol/L, können Sie die gewählte Dosierung beibehalten. Ist der Spiegel immer noch deutlich erhöht, dann sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen.

Mit freundlichen Grüssen,
Prof. Dr. W. Herrmann


Frage:

14.11.2008

Sehr geehrter Herr Professor Herrmann,

ich habe im Internet ihre Email-Adresse gefunden und möchte Sie im "Widerspruchsdschungel Homocystein" etwas fragen.

Bei einem Check-up plus Homocysteinbestimmung wurde bei mir ein Wert von 19,3 µmol/L gefunden. Sonst bin ich kein Risikopatient, alle anderen Werte sind OK. Ich bin männlich und 44 Jahre alt.
Welches Präparat kann ich einnehmen, um den Spiegel zu senken etc. Mein Arzt kennt sich damit nicht aus und hat gar nichts dazu gesagt. Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:

Lieber Herr ……….,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die Ich gern beantworte. Ihr Homocysteinspiegel im Blutplasma ist mit 19,3 µmol/L deutlich abnormal und zeigt eine diesbezügliche Störung im Stoffwechsel an, die korrigiert werden sollte.
Der Wert sollte unter Nüchternbedingungen bestimmt und die präanalytischen Aspekte beachtet worden sein, d.h. das Blutplasma wurde unmittelbar nach Blutentnahme vom Blutkuchen durch Zentrifugation abgetrennt oder das Blut wurde bei Versendung geeignet stabilisiert. Häufig werden diese Aspekte nicht fachgerecht berücksichtigt, so dass dann die Werte falsch sind.

Wenn Ihr Wert richtig ist, kann dieser auf einen Mangel an B-Vitaminen, einen Mangel an relevanten Enzymen, auf gastrointestinale Erkrankungen oder Nierenfunktionsstörungen hinweisen. Es sollte daher auch Kreatinin bestimmt werden und dies normal sein, um eine Nierenfunktionsstörung auszuschließen. Bei Vorliegen eines Vitaminmangels sollten Sie sich beim Apotheker geeignete Präparate empfehlen lassen, wobei die Präparate etwa 0,4 bis 0,8 mg Folsäure, 0,050 bis 0,500 mg Vitamin B12 und 5 bis 20 mg Vitamin B6 enthalten sollten. Hier sind genügend Präparate im Handel.

Wichtig ist aber, dass Sie nach einigen Wochen Behandlung (etwa 4 Wochen) Homocystein erneut kontrollieren lassen. Ist der Spiegel unter 12 µmol/L, können Sie die gewählte Dosierung beibehalten. Ist der Spiegel immer noch deutlich erhöht, dann sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen.

Mit freundlichen Grüssen,
Prof. Dr. W. Herrmann 


Frage: B12 Supplement bei B12 Malabsorption

10.02.2009

Sollte man nur bei nachgewiesener Malabsorption Vit. B12 parenteral substituieren, oder kann bzw. sollte man dies gerade bei älteren Personen nicht initial tun?

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
                
Es wird generell empfohlen, dass ältere Menschen, besonders aber die mit Malabsorption, mehr Vitamin B12 einnehmen sollten. Die Einnahme sollte dabei möglichst in Tablettenform (Cyano- oder Hydroxycobalamin) oder als Injektion (i. v., i. m. oder s. c.) erfolgen.
Zeigt der Patient metabolische (stark erhöhte MMA-Werte > 700 nmol/l und holoTC < 35 pmol/l), hämatologische (megaloblastäre Anämie) oder klinische Symptome, sollte man im Rahmen einer Vitamin B12-Therapie anfänglich mit Injektionen (1 bis 2mal wöchentlich über die Dauer von > = eines Monats), später mit Tabletten (1 mg/Tag) behandeln. Wenn man mit
Injektionen behandelt, erreicht man Verbesserung die längere Zeit dauert. Nur durch eine Nahrungsumstellung kann bei diesen Patienten nicht von einer Besserung ausgegangen werden.
Mildere Fälle mit MMA-Spiegeln zwischen 200 und 300 nmol/l und holoTC < 35 pmol/l kann man hingegen mit Tabletten behandeln. Selbst Patienten mit Malabsorption können hier von einer oralen Cobalaminsubstitution profitieren (Dosierung 1 mg/Tag).
Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen über den Effekt oraler Cobalaminbehandlung bei Vit. B12 Mangelerkrankungen, selbst bei Patienten mit perniziöser Anämie (Elia M, Lancet;1998; 352:1721-1722) (Kuzminski AM, Blood; 1998; 92:1191-98). In einer Studie wurden ältere Menschen mit erhöhtem MMA-Spiegel mit verschiedenen Dosen von Cyanocobalamin behandelt, um die geringste Dosis zu bestimmen, mit der der MMA-Wert normalisiert werden kann (Eussen SJ et al., Arch Intern Med; 2005; 165:1167-1172). Hier wurden Cobalamindosen zwischen 2,5 und 1000 µg benutzt. Das Ergebnis war das Bestimmen einer Cobalamindosis, mit der bei 80-90% der Probanden der MMA-Spiegel normalisiert werden konnte, was einer Dosis zwischen 647 and 1032 µg/Tag entspricht. Ähnliche Ergebnisse wurden in einer amerikanischen Studie erzielt, wo die orale Dosis von 1000 µg nötig war, um den MMA-Spiegel nach 6 Wochen zu normalisieren (Rajan S, J Am Geriatr Soc; 2002; 50:1789-95).


Frage: B12 und Lachgas

10.02.2009

B12 und Lachgas

wie schnell entwickelt sich B12 Mangel?

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
          
1- Ihre Beobachtungen zu Nebenwirkungen von Lachgas auf die Inaktivierung der Methioninsynthetase und des daraus resultierendem Vitamin B12-Defizits sind sehr interessant.
Leider gibt es keine konkreten systematischen Daten zu Ihrer Fragestellung, jedoch gibt es viele Hinweise. Es ist entscheidend, wie viel Cobalamin in den Organen gespeichert ist und welche Erkrankung für die Ursache des Vitamin B12-Mangels verantwortlich ist.

2- In vielen Veröffentlichungen zeigten Babys von defizienten Müttern metabolische oder klinische Symptome eines Cobalaminmangels innerhalb weniger Monate (3 bis 6) bis zu einem Jahr (Reghu A et al., Eur J Pediatr; 2005; Weiss R et al., J Pediatr Hematol Oncol; 2004; Kühne T et al., Eur J Pediatr; 1991; Higginbottom MC et al., NEng J Med; 1978). In dem fall, haben die Babys von Anfang an schon niedrige Vitamin B12 Status, und sind deshalb schneller anfällig.
Bei erwachsenen oder älteren Menschen, die abrupt mit der Aufnahme von Vitamin B12 aufhören (vegetarische Diät) oder nicht mehr absorbieren können (Gastic oder Ileumresektion), können metabolische oder klinisch relevante Mängel mehrere Jahre brauchen, um sich zu entwickeln.

Im Gegensatz zu Folaten, kann Vitamin B12, das in Leber, Nieren und im Gehirn gespeichert wird, nicht leicht verringert werden. Dies liegt erstens daran, dass B12 im proximalen Tubulus resorbiert wird und wieder in das Blut, an ein neu synthetisiertes Transcobalamin gebunden, eintritt. Zum Zweiten: Vitamin B12 verlässt die Leber und tritt in das gastrointestinale System mit dem Pankreassaft ein. Dieses Cobalamin ist frei von Proteinbindungen und leicht für die Absorption verfügbar – allerdings nur dann, wenn der intrinsische Faktor vorhanden ist.


Frage:

Sehr geehrter Herr Prof. Herrmann,

Meine Mutter (74) hat eine auffallend progrediente neurologische Symptomatik mit breitbasigem, unsicheren Gangbild, Harninkontinenz, Gedächtnisstörungen, Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust entwickelt. Die Diagnostik in einer neurologischen- internistischen Fachklinik erbrachte keinerlei Ergebnisse; weder Hinweise für einen Tumor, noch für eine Tauopathie, NPH etc.

Im Labor waren Vit. B 12 i.S. mit 229 pg/ml und Folsäure mit 7.4 ng/ml. Auf mein intensives Drängen und Selbstbezahlung wurde dann HoloTC und Homocystein untersucht, Ergebnis:
Holo-TC 25.0 pmol/L
Homocystein 29.1 µmol/L

Nun wird B12 i.m. subtituiert, 2 Injektionen pro Woche ein. Bereits nach 3 Injektionen zeigte sich eine auffällige Verbesserung des Gesamtzustandes und ein stabilerer, schnellerer und großschrittiger Gang. Die demenzielle Symptomatik zeigte wie zu erwarten bisher keine Veränderung.

Meine Fragen:
1. Im Ärzteblatt wurde diskutiert, ob 4 x pro Woche sinnvoller sei. Haben Sie dazu eine Empfehlung?
2. Würden Sie Folsäure auch mit-substituieren bei den o.g. Werten?
3. Ist es sinnvoll auch B1 und B6 zu untersuchen / substituieren?

Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar

Dr. …

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
          
Lieber Herr Dr. …,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage, die ich nachfolgend gern beantworte. Ihre Anfrage ist für uns sehr interessant, da Sie in der Praxis genau das bestätigt, was wir in unseren Untersuchungen gefunden und publiziert haben.

1) Nach den mir zur Kenntnis gebrachten Befunden Ihrer Mutter ist Vitamin B 12 im niedrigen Normalbereich, dagegen HoloTC deutlich erniedrigt. Dies unterstreicht unsere Auffassung, dass Gesamt-B12 wenig geeignet ist, einen B12-Mangel zu diagnostizieren. Gesamt-B12-Konzentrationen unter 350 ng/ml schließen einen erniedrigten B12-Status keinesfalls aus. Hier muss HoloTC und gegebenenfalls MMA bestimmt werden.

2) Das zusätzlich erhöhte Homocystein signalisiert, dass der B12-Mangel schon fortgeschrittener ist, d.h. die B12-Speicher sind leer und der intrazelluläre B12-abhängige Homocystein-Methioninkreislauf (zur Bereitstellung von Methylgruppen) ist gestört.

3) Folsäure befindet sich ebenfalls im unteren Normbereich. Hier liegt ebenfalls ein sekundärer Mangel vor, da die Folatverwertung gestört ist (Übertragung der Methylgruppe von Methyltetrahydrofolat auf Homocystein). Bei dem bestehenden B12-Mangel ist viel mehr Folat erforderlich, um den Kreislauf zu normalisieren und Homocystein normal zu halten. Der Befund zeigt daher ein deutlich erhöhtes Homocystein. Im Gegenteil, durch die erfolgte B12-Gabe haben Sie die Inhibition aufgehoben und der Kreislauf funktioniert wieder und metabolisiert nun das Folat normal. Sie können jetzt sogar einen deutlichen Folatabfall erwarten. Folsäure ist daher zu substituieren und der Serumspiegel zu bestimmen und in einen normalen Bereich zu bringen.

4) Es ist sehr erfreulich, dass nach schon kurzer B12-Behandlung sich der Gesamtzustand Ihrer Mutter deutlich gebessert hat und der Gang wieder nahezu normal ist. Die Besserung der kognitivem Leistungen braucht sicher länger. Es wäre wirklich schade, wenn die demenzielle Symptomatik aufgrund der verspäteten Diagnostik keine signifikante Besserung erfahren würde. Deshalb propagieren wir ja die Frühdiagnostik des B12-Mangels mit den modernen Parametern, um irreversible neurologische Schäden zu vermeiden; die konventionellen Parameter sind zu spät.

5) Bezüglich der Häufigkeit der B12-Injektionen kann ich Ihnen nur empfehlen, die klinische Besserung als Kriterium zu nehmen. Bewirken häufigere Injektionen eine weitere Besserung, dann sollten sie das tun. Ansonsten belassen Sie es beim derzeitigen Schema. Neben B12 sollte auch Folsäure und B6 substituiert werden. Spiegelbestimmungen der von Ihnen genannten Vitamine sind zu empfehlen.

Ihrer Mutter wünsche ich weitere gute Besserung und es bleibt zu hoffen, dass künftig weniger Patienten ihren B12-Mangel zu spät diagnostiziert bekommen.

Mit besten Grüßen
Prof. Dr. W. Herrmann 


Frage: Vitamin-B12-Spiegel

04.03.2011

ich wende mich mit einer sehr speziellen Frage zu einem Vitamin-B12-Spiegel an Sie.

Es handelt sich um ein Kind mit einer bekannten Sphärozytose, Z.n. hämolytischer Krise bei Parvo-B19-Infektion, deutliche Retikulozytose in der Regenerationsphase. Wir haben bei diesem Kind einen B12-Spiegel kleiner als 30 ng/l gemessen. Für weitere Parameter (Holotranscobalamin, MMA) reichte das Material nicht. Im peripheren Blutbild kein H.a. eine perniziöse Anämie. Dem einsendenden Kollegen war keine vegane Ernährung, Darmerkrankung o.ä. bekannt.

Meine Frage, zu der ich in der einschlägigen Literatur auch keine Antwort gefunden habe, wäre, ob dieser niedrige Spiegel Ihrer Meinung nach durch einen erhöhten Vitamin-B12-Bedarf des KM in der Regeneration nach einer hämolytischen Krise erklärbar ist. Ich hoffe, Sie können mir in dieser Angelegenheit weiterhelfen, und möchte mich im Voraus herzlich für Ihre Hilfe bedanken.

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
                
vielen Dank für Ihre Anfrage. Es ist natürlich nahezu unmöglich hier eine definitive Antwort zu geben. Deshalb nur 2 Anmerkungen: a) Sie brauchen MMA und HoloTC und ggfs. Homocystein um fetzustellen, ob es sich um einen Mangel an aktivem B12 handelt und ob ein manifester funktioneller B12-Mangel vorliegt. Natürlich kann hier ein deutlicher B12-Verbrauch vorliegen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass etwa 70% des B12 an Haptocorrin gebunden sind (metabolisch inaktiv). b) Es ist deshalb zu untersuchen, ob nicht vielleicht eines der seltenen Fälle eines hereditären Haptocorrinmangels vorliegt, der einiges erklären könnte. Carmel hat zu diesem Krankheitsbild viel publiziert.
 


Frage: holoTC und B12 Diagnostik

09.02.2011

Kann die Bestimmung des Holo-TC-Spiegels und damit das Screening auf
einen latenten oder manifesten Vitamin B12-Mangel falsch positiv
beeinflusst werden durch eine kürzlich begonnene parenterale B12- Substitution?

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:
            
mit moderner Diagnostik ist es nicht möglich mit einem einzelnen Parameter den B12-Status zu erfassen. HoloTC, MMA (Methylmalonsäure) evt. noch Homocystein und Creatinin sind das Laborpanel für eine B12-Diagnostik. Bei einer isolierten Erniedrigung von HoloTC aber normalem MMA (und Homocystein) liegt noch kein Mangel an B12 vor, da die funktionellen, B12-abhängigen Stoffwechselgrößen noch einen normalen Metabolismus anzeigen. Ein isoliert niedriges HoloTC weist auf eine negative B12-Bilanz im Sinne einer stattfindenden Speicherentleerung hin. Erst wenn HoloTC niedrig und MMA (Homocystein) erhöht ist, liegt ein metabolisch manifester B12-Mangel vor.
 


Frage: Vitamin B12 Substitution bei 12 jährigem Jungen mit Kurzdarmsyndrom

18.10.2013

Sehr geehrter Prof.

Ich betreue einen 12-jährigen Jungen, der bis auf mäßiges Untergewicht klinisch bzw. subjektiv gesund ist!
Wegen Z. n. Frühgeburt 33 SSW, Z. n. nekrotisierender Enterokolitis mit resultierendem Kurzdarmsyndrom führte ich Labordiagnostik zur Frage Malabsorption, Vitamin-Mangel etc. durch.

Nun kreisen eine Laborärztin und ich um die Frage, ob der Junge mit Vitamin-B12 substituiert werden soll. Holo-TC und Vitamin-B12-Spiegel sprechen klar für einen B12-Mangel. MMA in Serum und Urin sind normal, Homocystein ist leicht erhöht.

Sie schreiben ja in Ihrer Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt 2009:

"Umgekehrt sind auch normale MMA-Spiegel bei erniedrigten Vitamin-B12-Konzentrationen als falschpositiver Befund möglich. Ein erniedrigter Holo-TC-Spiegel im Serum gilt als frühester Marker eines B12-Mangels und ist ein Hinweis darauf, dass der Körper über nicht ausreichend verwertbares Vitamin B12 verfügt und die B12-Speicher sich aufgrund der negativen Vitamin-B12-Bilanz bereits leeren. In diesem Stadium werden klinische oder hämatologische Symptome noch nicht beobachtet."

Nun scheidet eine Niereninsuffizienz als Ursache für das leicht erhöhte Homocystein aus. Gleichzeitig sprechen in Serum und Urin normale MMA-Spiegel gegen einen metabolisch manifesten B-12-Mangel.

Wie interpretieren Sie die Befunde? Würden Sie substituieren?

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:

Sehr geehrter Dr.

Ich würde B12 substituieren aus zwei Gründen: 1. Es besteht eine deutliche Hyperhomocysteinämie. Werte >17 µmol/l sind für den Jungen beachtlich (sollte <10 sein) und weisen auf einen signifikanten Vitaminmangel, der durch das niedrige holoTC gegeben ist. 2. Sie können hier nicht viel falsch machen, da eine B12-Gabe unbedenklich ist. Schauen Sie, ob sich unter B12-Gabe das Homocystein normalisiert und evt. auch MMA weiter abfällt. Sehen Sie eine Normalisierung des Homocysteins, dann wissen Sie, dass im Homocystein - Methionin - Kreislauf ein Vitaminmangel bestanden hat, der durch die B12-Gabe beseitigt worden ist. Möglicherweise ist der B12-Mangel durch das Kurzdarmsyndrom bedingt und hier wäre eine lebenslange Substitution (Injektion) erforderlich. Sie werden dann berichten können, ob das geklappt hat.


Frage: Speicherentleerung Vitamin B12?

18.10.2013

Sehr geehrter Prof.,

Ich habe jetzt einen jahrelangen Marathon bezgl. meines Haarausfalls, extreme Müdigkeitserscheinungen und Erschöpfungserscheinungen und etliche andere Symptome hinter mir, leider ohne Erfolg.

Vor 2 Jahren wurde von einem Endokrinologen ein Vitamin B12 Mangel diagnostiziert & Vitamin D3. Dieser empfahl dringend die Speicher aufzufüllen und weiter abzuklären woher dieser Mangel rührt. Mein Hausarzt sah dem ganzen allerdings skeptisch entgegen und meinte, dass der Endokrinologe das völlig falsch bewertet hätte und kein wirklicher Mangel vorliege. Nach langem Betteln hatte er mir dann doch 5 Vitamin B12 Spritzen (jeweils 1 monatl) verabreicht und später nochmal das Vitamin B12 überprüft -bei der keine wirkliche Besserung vorlag. Danach wollte er das nicht mehr behandeln da ich -angeblich - im Referenzbereich liege. Ein Telefonat mit dem Endrokrinolgen brachte aber eine andere Meinung hervor. Der Arzt meinte, ich würde langsam "innerlich verarmen" und riet mir, einen anderen Arzt zu konsultieren. Dies habe ich dann auch gemacht und leider ereilte mich da dann das gleiche Problem - es wäre alles noch im Normbereich. Der Arzt hatte allerdings eine Magenspieglung angeordnet um zu schauen, ob mir ein Faktor fehlt. Bei der Spieglung wurde nichts gefunden.

Ich habe dann selber eine ganze Zeit Vita-Sprint genommen - der Wert besserte sich kurzzeitig um 100 und sank dann aber innerhalb kürzester Zeit wieder auf den unteren Bereich ab. Ich wäre Ihnen unendlich dankbar wenn Sie mir einen Rat geben würden, ob ich das dabei belassen soll oder ob ich doch darauf bestehen sollte, dass meine Speicher aufgefüllt werden. Hier meine Daten:

Vitamin B12 222 Referenz: 223- 1132
HoloTC: <34

Folsäure 4,5 Referenz: 3,1 -12,1
Homocystein 12 Referenz: 5-15
Vitamin D3 (25OH) 11 Referenz: 20-120


Wie würden Sie das einordnen??

Vielen lieben Dank im Voraus....
Mit den freundlichsten Grüssen

Antwort von Prof. Dr. W. Herrmann:                

Sehr geehrte Frau ...,

auf Ihre Anfrage möchte ich wie folgt antworten. Zunächst haben Sie einen ausgeprägten Mangel an Vitamin D, der unbedingt zu behandeln ist. Sie sollten täglich mit 1000 IE Vitamin D substituieren (1 Tablette). Diese Substitution sollte unbegrenzt sein. Kontrollieren Sie den Spiegel nach vier bis acht Wochen, um zu sehen, ob die Substitution ausreicht, d.h (25OH)Vitamin D3 auf >20 ng/ml, besser >30 ng/ml ansteigt.

Vitamin B12 ist leicht erniedrigt. Sie können, wie bereits von Ihnen erwähnt, Vitasprint nehmen und durch Kontrollen die Normalisierung verfolgen und über Substitution dann den Normalwert halten. Präparate, die neben ausreichend B12 auch Folsäure enthalten, kämen ebenfalls in Betracht (z.B. Medyn oder Synervit). Ihr Homocystein ist mit 12 µmol/L grenzwertig und sollte günstig <10 µmol/L sein. Die Substitution mit B12 und Folsäure sollte Homocystein in den gewünschten Bereich absenken.

Neben der Korrektur der Laborwerte sollte Sie vor allem verfolgen, ob die Substitution Ihre Beschwerden bessert.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung.