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Infektionserkrankungen

Vitamin D moduliert Immunfunktionen durch Effekte auf angeborene und erworbene Komponenten des Immunsystems (1). Das angeborene Immunsystem steht an der vordersten Linie der Verteidigung und umfasst alle Mechanismen, die eine Invasion eines Erregers verhindern, ohne dass ein Immungedächtnis von vorausgegangenen Kontakten mit Pathogenen erforderlich ist (2). Die angeborene Immunität umfasst die Bildung antimikrobiell wirkender Peptide, die Viren, Bakterien und andere Organismen abtöten können. Das erworbene bzw. adaptive Immunsystem ist differenzierter als das angeborene Immunsystem. Vitamin D moduliert Funktionen von sowohl T- als auch B-Lymphozyten (1). Bei den T-Lymphozyten sind die T-Helfer-Zellen ein wichtiges Ziel. Vitamin D supprimiert die T-Helferzellproliferation und moduliert deren Zytokinproduktion. Die zellvermittelte Immunität wird im Vergleich zur Antikörper-vermittelten Immunität bevorzugt gefördert. Außerdem hat Vitamin D einen direkten Effekt auf die B-Lymphozyten-Proliferation und die Immunglobulin-Produktion (1).


In einer Studie wurden bei Patienten mit schweren Infektionen des unteren Respirationstraktes, die die Einlieferung in ein Krankenhaus erforderlich machten, im Vergleich mit Kontrollen niedrigere 25(OH)D-Serumspiegel beobachtet (3). Eine holländische Studie fand, dass Kinder mit wenig Sonnenbestrahlung im Vergleich mit Kindern mit hoher Sonnenbestrahlung mit größerer Wahrscheinlichkeit unter Husten und Schnupfen litten (4). Die zeitliche Assoziation zwischen den jahreszeitlichen Veränderungen des Vitamin D-Spiegels und der winterlichen respiratorischen Virusaktivität hat zu dem Vorschlag geführt, dass niedrige Vitamin D-Spiegel eine kausale Rolle beim Beginn der Influenza Epidemie spielen könnte. Mehrere Beobachtungsstudien haben den Vitamin D-Status und Atemwegsinfektionen untersucht. Eine sekundäre Analyse der U.S. National Health and Nutrition Eyamination Survey (NHANES) III zeigte, dass niedrige 25(OH)D-Spiegel – nach Adjustierung auf demographische und klinische Merkmale – unabhängig mit selbstberichteten unteren Atemwegsinfektionen in den letzten vorausgegangenen Tagen assoziiert waren (5). Eine starke Evidenz für einen wirklichen Effekt des Vitamin D auf das Infektionsrisiko kann nur durch randomisierte kontrollierte Studien nachgewiesen werden. Diese Aussage wurde durch eine systematische Untersuchung bekräftigt, die 2009 von Yamschikov et al. publiziert wurde, der 13 klinische Studien über den Effekt von Vitamin D auf die Behandlung und Prävention von Infektionskrankheiten beim Menschen ermittelte (6). 

Referenzen

1.     Hewison M. Vitamin D and immune function: autocrine, paracrine or endocrine? Scand J Clin Lab Invest Suppl 2012;243:92-102.
2.     White JH. Vitamin D metabolism and signaling in the immune system. Rev Endocr Metab Disord 2012;13:21-9.
3.     Wayse V, Yousafzai A, Mogale K, Filteau S. Association of subclinical vitamin D deficiency with severe acute lower respiratory infection in Indian children under 5 y. Eur J Clin Nutr 2004;58:563-7.
4.     Termorshuizen F, Wijga A, Garssen J, Den Outer PN, Slaper H, Van LH. Exposure to solar ultraviolet radiation in young Dutch children: assessment by means of a 6-week retrospective questionnaire. J Expo Anal Environ Epidemiol 2002;12:204-13.
5.     Ginde AA, Mansbach JM, Camargo CA, Jr. Association between serum 25-hydroxyvitamin D level and upper respiratory tract infection in the Third National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med 2009;169:384-90.
6.     Yamshchikov AV, Desai NS, Blumberg HM, Ziegler TR, Tangpricha V. Vitamin D for treatment and prevention of infectious diseases: a systematic review of randomized controlled trials. Endocr Pract 2009;15:438-49.