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Folat zur Prävention von Neuralrohrdefekten

Neuralrohrdefekte (NRD) gehören zu den wichtigsten mit dem mütterlichen Folatmangel assoziierten Geburtsdefekten. NRD sind schwere angeborene Fehlbildungen des Gehirns und Rückenmarks, die durch einen unvollständigen Schluss des Neuralrohres 21 – 28 Tage nach der Empfängnis hervorgerufen werden. Die Defekte treten im Wesentlichen in zwei Formen auf: Spina bifida und Anencephalie. Diese sind mit lebenslangen Behinderungen assoziiert und erfordern eine intensive medizinische Versorgung. NRD treten in über 300.000 Fällen jährlich auf, wobei über 95% erstmalig auftreten. Smithells et al. haben 1976 auf einen kausalen Zusammenhang zwischen NRD und Folatmangel hingewiesen (1). Erst in den frühen 1990er Jahren wurde klar, dass die perikonzeptionelle Folatzufuhr bei Frauen das erste Auftreten der NRD verhindern konnte (2).


Eine Cochrane Untersuchung mit 6.425 Frauen aus vier Studien legte dar, dass die perikonzeptionelle Folatsupplementation die Inzidenz der NRD signifikant reduzierte [relatives Risiko (RR) 0,28, Konfidenzintervall 0,13 – 0,58] (3). Für die Prävention der NRD wird die Folatsupplementation insbesondere für Frauen im gebärfähigen Alter vor und im ersten Trimester der Schwangerschaft empfohlen. 1992 empfahl das Center for Disease Control and Prevention eine tägliche Folatzufuhr von 400 µg FS für alle Frauen im gebärfähigen Alter, die schwanger werden können, um das Risiko einer Schwangerschaft mit der Komplikation eines NRD zu reduzieren (4). Bei Frauen, die bereits ein von einem NRD betroffenes Kind haben, werden 4 mg täglich empfohlen.

 

 

Folsäure für die Sekundärprävention

Nach einer Studie aus drei europäischen Ländern beträgt die mittlere tägliche Folatzufuhr bei schwangeren europäischen Frauen 311 – 327 mg/d (5). Nur 5 – 7% der Frauen erzielten die empfohlene Folatzufuhr für schwangere Frauen (600 µg/d) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nur 23 – 29% der schwangeren Frauen erreichten eine Gesamtfolatzufuhr von 400 µg/d. Es ist offensichtlich, dass in den meisten Fällen der erhöhte Folatbedarf vor und während der Schwangerschaft alleine durch eine diätetische Folatzufuhr nicht abgedeckt werden kann. Dies führte zu einer obligatorischen Nahrungsmittelfortifizierung von Getreideprodukten in einigen Ländern wie den USA, Kanada und inzwischen 50 weiteren Ländern in der Welt. Zuletzt führte die Nahrungsmittelfortifizierung in Australien zu einem signifikanten Rückgang der NRD Inzidenz um etwa 30 – 50% (6). Andere häufige mütterliche Risikofaktoren für die Geburt eines Kindes mit NRD sind Adipositas, Rauchen und Diabetes.

Referenzen

1.    Smithells RW, Sheppard S, Schorah CJ. Vitamin dificiencies and neural tube defects. Arch Dis Child 1976;51:944-50.
2.     Kirke PN, Daly LE, Elwood JH. A randomised trial of low dose folic acid to prevent neural tube defects. The Irish Vitamin Study Group. Arch Dis Child 1992;67:1442-6.
3.     Lumley J, Watson L, Watson M, Bower C. Periconceptional supplementation with folate and/or multivitamins for preventing neural tube defects. Cochrane Database Syst Rev 2001;CD001056.
4.     Centers for Disease Control and Prevention. Recommendations for the use of folic acid to reduce the number of cases of spina bifida and other neural tube defects. MMWR Recomm Rep 1992;41:1-7.
5.     Franke C, Verwied-Jorky S, Campoy C, Trak-Fellermeier M, Decsi T, Dolz V, Koletzko B. Dietary intake of natural sources of docosahexaenoic acid and folate in pregnant women of three European cohorts. Ann Nutr Metab 2008;53:167-74.
6.     Liu S, West R, Randell E, Longerich L, O'connor KS, Scott H et al. A comprehensive evaluation of food fortification with folic acid for the primary prevention of neural tube defects. BMC Pregnancy Childbirth 2004;4:20.